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Der beste unabhängige Reiseführer für Cascais
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Unablässig schlägt der Atlantik gegen die Kalksteinklippen westlich von Cascais, doch an einer Stelle dieser zerklüfteten Küste hat er eine Schwachstelle gefunden. Hier hat die Erosion über Jahrtausende eine klaffende Schlucht und einen Felsbogen in das Gestein gegraben: die Boca do Inferno, den Höllenschlund. Bei heftigen Winterstürmen schießen die Wellen wie bei einem Vulkanausbruch durch die Öffnung nach oben, und selbst an ruhigeren Tagen tost und brandet das Meer mit geradezu urgewaltiger Wucht durch den Bogen.
Die Boca do Inferno liegt an der Costa da Guia, einem Abschnitt spektakulär ausgewaschener Klippen 2 km nordwestlich von Cascais, und gehört zu den eindrucksvollsten Naturschauspielen an der Lissabonner Küste.
Der Felsbogen und die Schlucht der Boca do Inferno an einem ruhigen Sommertag
Seit 2001 besuche ich Lissabon und lebe auch dort, und für mich gehört der Spaziergang vom Zentrum von Cascais zur Boca do Inferno zu den schönsten der ganzen Region. Diesen kurzen Weg kann ich dir für deinen Ausflug nach Cascais nur wärmstens empfehlen, und nimm dir auch Zeit, die Steilküste zu erkunden.
An der Boca do Inferno findest du außerdem das Mar do Inferno, eines der besten Fisch- und Meeresfrüchterestaurants in Cascais und eines meiner persönlichen Lieblingslokale. Ganz in der Nähe verkauft der Mercadinho Boca do Inferno regionales Kunsthandwerk und Geschenke zu Preisen, die deutlich unter denen der Touristenläden in der Stadt liegen.
Wenn du deinen Urlaub in Cascais verbringst oder einfach bis zum Abend bleibst, empfehle ich dir persönlich einen Besuch zum Sonnenuntergang, wenn die Sonne im Meer versinkt und der Himmel in Orangetönen leuchtet. Einfach magisch.
Weitere Artikel: Cascais-Reiseführer - Tagesausflug nach Cascais
Wilde Winterwellen krachen durch den Felsbogen
Der meerseitige Eingang der Boca do Inferno, vom Aussichtspunkt auf den Klippen aus gesehen.
Die Boca do Inferno kannst du kostenlos besichtigen, auch für die Aussichtsplattform zahlst du keinen Eintritt.
Ich möchte aber, dass du realistische Erwartungen an die Boca do Inferno hast. Die Felsformation an der Küste ist interessant, mit der Benagil-Höhle an der Algarve oder der Ponta da Piedade bei Lagos kann sie aber auf keinen Fall mithalten. Meiner Meinung nach kommt die Boca do Inferno am besten als Ziel eines schönen Küstenspaziergangs zur Geltung. Nur ihretwegen würde ich aber nicht extra aus Lissabon anreisen.
Normalerweise verbringt man hier etwa 20 Minuten. Bist du mit einer organisierten Tour unterwegs, reichen 10 Minuten, um dir die Klippen und den Felsbogen anzusehen.
Am eindrucksvollsten ist die Boca do Inferno an einem stürmischen Wintertag, wenn die Wellen durch den Felsbogen donnern. An einem ruhigen Sommertag kann das Ganze dagegen etwas zahm wirken.
Im Winter oder bei Sturm kann der Aussichtspunkt gesperrt sein. Auch bei gutem Wetter können die Klippen gefährlich sein: Immer wieder wurden Menschen von den Wellen mitgerissen oder sind die Felsen hinuntergerutscht.
Gut zu wissen: Oft höre ich, wie Touristen die Boca do Inferno mit dem Cabo da Roca verwechseln. Das Cabo da Roca ist der westlichste Punkt des europäischen Festlands und liegt 13 km weiter nördlich. Die Boca do Inferno ist nicht der westlichste Punkt Europas.
Die Aussichtsplattform ist ein zauberhafter Ort, um den Sonnenuntergang über dem Atlantik zu beobachten.
Die Boca do Inferno liegt 2 km westlich von Cascais. Vom Ortszentrum aus ist es ein beliebter Spaziergang von 20 Minuten.
Am schönsten gehst du auf der Küstenstraße (der Avenida Rei Humberto II de Itália) von Cascais aus nach Westen, vorbei am Museu Condes de Castro Guimarães und am Museu de Santa Marta. Der Weg ist flach und für alle geeignet. Er ist so breit, dass er auch als Radweg dient, der bis zum Strand von Guincho führt. Solange kein starker Wind weht (und der kann überraschend heftig sein), ist das eine angenehme Radtour. Wenn du länger Urlaub machst, ist sie ein weiterer Tipp, den ich dir sehr ans Herz lege.
Ein Taxi vom Bahnhof kostet zwischen 7 € und 9 €, für die Rückfahrt kann es aber schwierig sein, eines zu finden. Ich nutze häufig Uber und Bolt, und die Fahrt für 4–5 € wäre meine erste Wahl. So bin ich schon oft mit meinen betagten Eltern am Ende eines Tagesausflugs gefahren.
Bei ruhiger See sind die Klippen von Cascais ein beliebter Angelplatz.
Achtung: An der Boca do Inferno wirst du Einheimische sehen, die ganz vorn an der Klippenkante angeln. Mach es ihnen bitte nicht nach: Diese Klippen sind sehr gefährlich.
Ganz in der Nähe der Boca do Inferno liegt der Mercadinho Boca do Inferno, eine Reihe von Marktständen mit regionalem Kunsthandwerk und Souvenirs. Hier kannst du gut Geschenke und traditionelle portugiesische Produkte kaufen, und meiner Erfahrung nach sind die Preise meist günstiger als in den Souvenirläden im Zentrum von Cascais.
Die Kunsthandwerksstände des Mercadinho Boca do Inferno.
An der Boca do Inferno gibt es einige Cafés und Kioske, am meisten sticht aber das ausgezeichnete Mar do Inferno heraus, ein auf Fisch und Meeresfrüchte spezialisiertes Restaurant mit romantischem Meerblick. Das Essen ist so gut, dass ich hier schon besondere Anlässe gefeiert habe. Die Speisekarte findest du auf seiner Website:
www.mardoinferno.pt/
Wenn du etwas günstiger essen möchtest, probier das Café nebenan, das Rocha do Inferno, das seit über 80 Jahren von derselben Familie geführt wird.
Das Restaurant Mar do Inferno.
Die knorrigen, zerklüfteten Klippen der Costa da Guia bestehen aus Kalkstein aus der Kreidezeit, der rund 90 bis 100 Millionen Jahre alt ist. Obwohl der Kalkstein der Kraft des Ozeans sehr gut standhält, tragen ihn zwei wesentliche Prozesse langsam ab. Regenwasser, das durch gelöstes Kohlendioxid leicht sauer ist, löst das Gestein über Jahrtausende allmählich auf. Gleichzeitig kristallisiert Salz aus der Gischt in den Rissen, dehnt sich dabei aus und sprengt den Stein von innen auseinander. Zusammen erzeugen diese Prozesse die seltsamen, löchrigen Formen, die du überall an den Klippen siehst.
Die Klippen wirken dunkelgrau und nicht weiß oder cremefarben, wie man es von Kalkstein eigentlich erwartet. Diese dunkle Färbung stammt von Kolonien aus Algen, Cyanobakterien und Flechten, die in der feuchten, salzigen Küstenluft prächtig gedeihen. Hinzu kommen mineralische Verfärbungen, weil der Fels vom Meerwasser ständig benetzt wird und wieder abtrocknet.
Die Boca do Inferno ist entstanden, weil eine weichere Kalksteinader in der Felswand erodierte. Kräftige Wellen pressten Luft in die Risse dieses weicheren Gesteins, und das wiederholte Zusammendrücken und Entspannen höhlte nach und nach eine große Meereshöhle aus. Das widerstandsfähigere Gestein außen blieb stehen, während das weichere Innere so stark abgetragen wurde, dass die Decke schließlich einstürzte. So entstanden die Schlucht und der Felsbogen, die du heute siehst.
Dieser Prozess ist noch nicht abgeschlossen, und die Boca do Inferno wird Jahr für Jahr ganz langsam breiter.
Im Winter donnern die Wellen gegen die Küste der Costa da Guia
Das Innere der Öffnung ist unterschiedlich schnell erodiert
Die Boca do Inferno hat es auch zu zweifelhaftem Ruhm gebracht. 1930 täuschte der Magier, Astrologe und Mystiker Aleister Crowley an der Boca do Inferno in Cascais seinen eigenen Tod vor. Im Rahmen dieser Inszenierung verließ er Portugal heimlich und tauchte drei Wochen später bei einer Ausstellung seiner Werke in Berlin wieder auf. Die Presse jener Jahre berichtete reißerisch und mit Begeisterung über die Geschichte und machte so Werbung für sein Werk.
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Über den Autor: Ich bin Philip Giddings und lebe im Lissaboner Stadtviertel Graça mit meiner portugiesischen Frau Carla, deren Familie bereits seit Generationen zu den „Lisboetas" zählt. Ich besuche Portugal seit 2001 und schreibe seit 2009 unabhängige Reiseführer auf Cascais-Portugal.com. Inzwischen ist die Website zu meinem Hauptberuf geworden. Meinen ersten Ausflug nach Cascais unternahm ich als Teenager während meiner ersten Reise nach Lissabon, und Carla war damals sehr stolz darauf, mir ihr Heimatland zu zeigen. Fünfundzwanzig Jahre später, inzwischen verheiratet, mit einer größeren Familie und ein paar grauen Haaren mehr, zieht es uns noch immer an dieselben Strände in Cascais, und an heißen Sommertagen spazieren wir noch dieselbe Küstenpromenade entlang.
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